Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich bin der Überzeugung, daß wir uns nicht zu einem Symposium unter dem Titel „Aufbruch in die Freiheit“ treffen können, ohne zuallererst die derzeitige Situation in Syrien zu thematisieren, wo das Assad-Regime einen Massenmord an seiner eigenen Bevölkerung begeht, während die Welt und vor allem Europa rat- und tatenlos zusehen oder die Verbrechen sogar noch begünstigen.
In Syrien gelingt nicht und kann vielleicht nicht gelingen, was gegen die tunesischen und ägyptischen Regime möglich war: eine Revolution der Bevölkerung. Vielmehr droht aufgrund der besonderen Situation des Landes (der privilegierten Stellung der Alawiten, die an den Machterhalt des Assad-Clans gekoppelt ist) die Rebellion in einen Bürgerkrieg überzugehen.
Angesichts der Tatsache, daß die Arabische Liga ebensowenig in der Lage ist, ihren Einfluß in Syrien geltend zu machen wie die Europäische Union, sich auf eine gemeinsame, wenn auch nur humanitäre Außenpolitik zu einigen, scheint es mir wünschenswert, daß arabische, maghrebinische und europäische Schriftsteller und Citoyens in ihren jeweiligen Ländern ihre Stimme erheben – ja wenn möglich mit einer Stimme sprechen.
Der syrischen Bevölkerung muß beigestanden werden, der Staatsterror der Baath-Partei muß beendet werden. Eine Möglichkeit ist internationale humanitäre Hilfe an den syrischen Grenzen. Ein Diskussionspunkt wäre die Frage des „droit d’ingérence“.
Damaskus ist, mindestens ebensosehr wie Jerusalem, eine der Wiegen aller drei monotheistischen Weltreligionen. Es war, zumindest bis zum Beginn der Baath-Herrschaft, ein Ort, an dem Christen, Juden und Moslems gemeinsam lebten. Die Stadt wäre (in einer besseren Welt) der ideale Ort, um den Dialog der Kulturen zu pflegen.
Geben wir sie nicht auf!
Verhalten wir uns diesen Menschen gegenüber nicht so zynisch, wie es die europäische Politik seit der Gründung Syriens getan hat!
Lassen Sie uns diese Arabischen Literaturtage auch dazu nutzen, um über Syrien zu sprechen und Hilfe für die syrische Bevölkerung zu fordern.
Michael Kleeberg
(Informationen über die Literaturtage unter Litprom.de)
Chers collègues,
je suis convaincu que nous ne pourrons nous réunir pour un colloque titré “Départ vers la liberté” sans thématiser en premier lieu la situation actuelle en Syrie, où le régime Assad est en train de commetre un massacre contre son propre peuple, tandis que le monde et l’Europe regardent sans rien faire ou même en secondant les crimes.
Il ne semble pas possible – et peut-être il ne peut pas être possible en Syrie, ce qui fut possible contre les régimes en Tunisie et en Egypte: réussir une révolution du peuple. A cause de la situation particulière de ce pays ( la position privilégiée des Alawites qui est liée au pouvoir du clan Assad) la rebellion actuelle menace de se transformer en guerre civile.
Compte-tenu du fait que la LigueAarabe est aussi incapable de faire regner son influence en Syrie que l’Union Européenne l’est de se mettre d’accord sur une politique étrangère commune ne serait-de que sur le plan humanitaire, il me semble souhaitable que des écrivains et citoyens maghrébins, arabes et européens lèvent leur voix dans leurs pays respectives – et peut-être même parlent d’une seule voix.
Il faut aider le peuple syrien, il faut arrèter le terrorisme d’état du parti Baath. Une possibilité est une aide humanitaire internationale aux frontières de la Syrie. Un thème à discuter serait le droit d’ingérence.
Damas, au même titre que Jérusalem, est l’un des berceaux des trois réligions monothéistes. Au moins jusqu’au début du règne du parti Baath, ce fut un lieu où chrétiens, juifs et musulmans vivaient en communauté. Dans un monde meilleur, la ville serait le lieu prédestiné pour entretenir le dialogue des cultures.
Ne l’abandonnons pas!
Ne soyons pas aussi cyniques face à ces gens que la politique européenne l’a étée depuis la fondation de ce pays!
Laissez-nous utiliser ces Journées de la Littérature Arabe aussi pour parler de la Syrie et pour revendiquer du soutien pour le peuple syrien.
Michael Kleeberg

In der September-Ausgabe der Literaturzeitschrift „Words without Borders“ ist die von David Dollenmayer besorgte Übersetzung des Heidegger-Kapitels aus „Ein Garten im Norden“ zu lesen.
Hier der Link:
http://wordswithoutborders.org/article/from-a-garden-in-the-north/

„Kleebergs Roman „Das Amerikanische Hospital“ zwingt seine Leser, ihr Verhältnis zu Krieg und Pazifismus zumindest zu überdenken. Nach der Lektüre muss niemand seine Antikriegshaltung aufgeben, aber man muss sie sicher komplexer begründen. Der Autor provoziert seine Leser, das eigene Soldaten-Bild zu differenzieren, nicht alle Soldaten nur über den einen aus dem Kontext gerissenen Tucholsky-Satz zu scheren: „Soldaten sind Mörder.“ Dabei liefert Kleeberg keinerlei Apologie des Krieges, eher darf sein Roman als beklemmender Antikriegsroman gelesen werden, als Roman über einen Krieg, der nicht nur ‚den Feind’ zerstört, sondern auch die Umwelt und fast unbemerkt immer auch Geist, Herz und Seele der Soldaten selbst.“
Vollständiger Text auf www.ruhrbarone.de

Über deutsche Gegenwartsliteratur der letzten zehn Jahre nach dem Motto: „Was würde ich aus den letzten zehn Jahren in den nächsten zehn Jahren unbedingt wiederlesen wollen?“
„Auf Michael Kleeberg muß ich nicht wetten. Der besteht auch so. Nach seinem grandiosen ‚Karlmann‘ (2007) nun zuletzt schmal, aber gehaltvoll ‚Das amerikanische Hospital‘ (2010), eine lebensweise, tief berührende Doppel- und Dreifachgeschichte, deren Figuren nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen.“

One of the most important German-language novels of 2010 was set in Paris: Michael Kleeberg’s Das amerikanische Hospital. The work dealt with an American military officer suffering from Gulf War syndrome owing to his horrific experiences in the Persian Gulf War (1990–91). The story line involves a highly intelligent and cultivated officer who meets and befriends a young French woman who, largely at the behest of her husband, is undergoing a painful and ultimately unsuccessful process of in vitro fertilization in an effort to give birth to a much-wanted child. The meeting between these two very different people—observed and in the end told by a narrator who turns out to be the French woman’s German husband, in many ways a stand-in for the author Kleeberg himself—leads to a process of intercultural negotiation and recognition that ultimately enlightens, even if it does not completely satisfy, all participants. The novel contained remarkable descriptions of a Paris metro strike, along with visually stunning accounts of scenes from the Persian Gulf War; it confirmed Kleeberg’s status as one of the major contemporary authors working in the German language.

Aus der Begründung der Jury: „Meisterhaft gelingt es dem Autor eine Geschichte zu erzählen, die existenzielle Themen wie Verlust und Schuld, Einsamkeit und Hoffnung, Krankheit und Heilung berührt. Mutig konfrontiert er menschliche Grenzerfahrungen wie Töten und Leben zeugen und spiegelt darin drängende Fragen unserer Gegenwart. Es gehört zu den besonderen Stärken des Romans, dass er die Frage nach der Verantwortung nicht explizit stellt. Umso intensiver wird sie beim Lesenden angestoßen.“
www.eliport.de

„Auf diese Weise scheint mir „Hiob heute“ in der Literatur weiterzuleben, als der an einer zerbrechenden Welt leidende Mensch, dem nur dann Hoffnung bleibt, wenn er einen Arm findet, der ihn stützt, als ein Hiob, der die glückliche Wendung des biblischen Buches kaum jemals erfahren wird. Und vermutlich ist Hiob hier eine Frau. Denn im Grunde sind alle männlichen Gestalten des Romans nur Begleiter von Hélènes sehr eigenständigen Lebens. David ruft stets sie zu Hilfe und eher zufällig gelingt es dann auch ihm, ihr zu helfen. „L’avenir de l’homme“, sagte einer der Lieblingslyriker Hélène’s, Louis Aragon, 1963, „c’est la femme.“ Michael Kleeberg also – das hat Claudia Stockinger bemerkt – schreibt auch den Roman einer schmerzlichen Emanzipation.
Der Autor hat sein Buch sehr bewusst „Das amerikanische Hospital“ genannt, nicht nur, weil er von dieser weltberühmten Klinik erzählt, nicht nur weil er von einer Welt im Zustand der „Klinik“, einer „Schleuse zwischen Leben und Nichtleben“ berichten will, sondern auch weil er von einer in unglaublichem Maße amerikanisierten Welt erzählt. Es ist die Welt der asymmetrischen Kriege, eine Welt, in der aus dem Wunsch, Gutes zu tun, Freiheit und Demokratie vor Terror und Gewalt zu schützen, Grausamkeiten entsetzlichen Ausmaßes entstehen. Die amerikanisierte Welt ist eine Welt, in der mit avancierter Medizin zwar vom Menschen selbst geschaffene Wunden geheilt, aber im Heilungsprozess völlig unheilbare und größere Verletzungen entstehen, als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. „Das amerikanische Hospital“ ist kein Liebesroman, kein Roman, der von einem unangefochtenen Glauben getragen ist, aber ein Roman erfüllt von der stillen Hoffnung, dass es trotz alledem immer wieder Menschen geben wird, die inmitten der Verluste des Lebens dem anderen zum Schutzengel und nicht zum Wolf werden.“
Vollständiger Text unter dem Titel „Hiob heute“ in der Rubrik „Fremde Federn“

„Kleeberg leuchtet Bereiche des Lebens aus, die man in vergleichbarer Weise nur selten in der Literatur findet. In einer klaren, konkreten, äußerst disziplinierten Sprache erfährt der Leser, welches Grauen, welchen Schrecken der Amerikaner im Krieg erlebt hat, wie es ist, wenn eine Frau nachts aus dem Schlaf gerissen wird und ihr werdendes Kind verliert. Auch die Pointe am Schluss unterstreicht noch einmal, worum es Kleeberg in diesem großartigen, hoch ambitionierten Roman geht: um eine Hommage an das Erzählen.“

„Das ‚Amerikanische Hospital‘ ist nicht nur ein psychologischer Roman. Er verfügt über ungewöhnlich intensives, recherchiertes Wissen. Eine Prosaarbeit (…) getragen von brillanter Menschenkenntnis.“
